Rede zur Eröffnung der Ausstellung

 

Sehr geehrte Damen und Herren
Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Angela Merkel vom 19. Dez. 2011
„Wir müssen insgesamt aufpassen, dass wir allen Anflügen von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Rechtsradikalismus ganz entschieden begegnen“ und „der Einsatz gegen Rechtsextreme ist nicht nur Aufgabe der Behörden, sondern eine Aufgabe der ganzen Zivilgesellschaft“

In diesem Sinne möchten wir Sie ganz herzlich zur Ausstellungseröffnung „Rechtsradikalismus: Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ hier in der Stadtbibliothek im Namen von attac Memmingen/Illerwinkel begrüßen.

Wir freuen uns, dass wir diese Ausstellung hier in der Stadtbibliothek zeigen können. Wir möchten uns bei Herrn Schneider, seinem Team und bei Herrn Reuter ganz herzlich bedanken.

Wir begrüßen Herrn Oberbürgermeister Dr. Holzinger und freuen uns, dass er diese Ausstellung eröffnet  – Herzlich Willkommen und Dankeschön

Wir begrüßen Frau Dr. Doris Zimmermann und freuen uns dass Sie das Einführungsreferat hält. Sie ist Sozialwissenschaftlerin und wird Ziele und Inhalte der Ausstellung erläutern und auf einige Entwicklungen eingehen, die seit der Überarbeitung der Ausstellung 2010 neu sind – und damit auch einen kurzen Überblick über die Akteure, Organisationen und Gruppen, und deren Aktivitäten geben. Herzlich Willkommen Frau Dr. Zimmermann und danke.

Wir freuen uns, dass die Ausstellung auch zwei Wochen in der Johann-Bierwirth-Schule gezeigt wird. Da möchten wir uns ganz herzlich beim Schulleiter Herrn Stöhr, seinem Stellvertreter Herrn Deniffel und dem Betreuer der Ausstellung Herrn Dr. Michael Vögele bedanken.

Wer ist nun wir?
Das ist die attac Gruppe Memmingen/Illerwinkel.

Attac ist die französische Abkürzung für “Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger und Bürgerinnen”. attac wurde 1998 in Frankreich gegründet, in Deutschland 2000.

Attac versteht sich als Netzwerk, in dem sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen Mitglied sein können. In Deutschland gehören circa 250 Organisationen attac an, darunter

ver.di, BUND, Pax Christi, eine Welt e.V.,terre des homes, auch Gemeinden
Es engagieren sich aber auch viele Nicht-Mitglieder.

Wer bei Attac mitmacht, kann christliche oder andere religiöse Motive haben, AtheistIn, HumanistIn, MarxistIn sein oder anderen Philosophien anhängen. Attac hat keine verbindliche theoretische, weltanschauliche, religiöse oder ideologische Basis und braucht eine solche nicht. Vielfalt ist eine Stärke.

Dies heißt allerdings nicht völlige Beliebigkeit. Für Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus und verwandte Ideologien gibt es keinen Platz.

In diesem Sinne engagieren sich viele attac Gruppen gegen Rechtsradikalismus, so auch wir hier in Memmingen.

In Memmingen finden immer wieder Veranstaltungen der NPD statt, zuletzt im August 2011 zum „Tag der Heimat“ in der kleinen Stadthalle.
Wir waren auf dieser Veranstaltung anwesend.
Von Rednern der NPD wurde öfters betont, dass sie Memmingen zum Zentrum ihrer Aktivitäten in Schwaben machen will.
Dem gilt es mit aller Entschiedenheit und dem gemeinsamen Engagement aller Parteien und öffentlicher Gruppen entgegen zu treten.
Überall, wo sich die NPD und andere rechtsextreme Gruppen zeigen, muss öffentlicher Protest entgegengestellt werden.
Wie Frau Merkel sagt, Behörden und Zvilgesellschaft müssen sich dem entgegenstellen.

Gerade in unsicheren Zeiten wie wir sie zur Zeit mit der Finanzkrise erleben, ist es besonders wichtig, die Demokratie zu stärken. Zu viele sind für „einfache Wahrheiten“ sehr anfällig.

Zwei Beispiele aus den neuen Bundesländern, die ich wir erlebt, bzw. in der dortigen Presse gelesen haben:
Am 07. September waren wir in Prenzlau, Brandenburg, Landkreis Uckermark, Heimat von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es fand eine Veranstaltung für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit statt. organisiert von der Stadt, Geschäftsbereich Bürgermeister

Hier der Aufruf auf der Internstseite der Stadt Prenzlau, Zitat:
„Hinzuschauen statt wegzuschauen, erklären anstatt Unwissenheit zu ertragen, zu diskutieren statt zu schweigen –
– in der Auseinandersetzung nicht nur mit Rechtsextremismus
– bereits bei jedem Anflug von Fremdenfeindlichkeit, von Intoleranz, von Ausgrenzung, ist es wichtig, Position zu beziehen, sich zu artikulieren und vor allem zu sensibilisieren.
“ Zitat Ende

Die beteiligten Gruppen waren: Gewerkschaften, SPD, Die Linke, CDU, FDP, Junge Gemeinde Prenzlau, Schwedter Bündnis gegen Rechtsextremismus, die Rote Hilfe Greifswald und die Prenzlauer Antifa.

Zweites Beispiel aus Thüringen, in einem Dorf bei Erfurt letztes Jahr im Herbst:
Die NPD veranstaltete ein Fest im Dorf mit Musik, Ausschank, Hüpfburg für Kinder.
Um die Veranstaltung nicht den Rechten zu überlassen, waren anwesende: der Bürgermeister, fast alle Gemeinderäte, die Innenministerin von Thüringen, der evangelische Pfarrer. Es ist wichtig, dass sich die demokratische Öffentlichkeit zeigt.

Wir wünschen uns für Memmingen:
– allen rechten Gruppierungen muss es so schwer wie nur möglich gemacht werden, öffentliche Gebäude für ihre Veranstaltungen zu bekommen

– über alle bekannten Aktivitäten rechter Gruppierungen muss die Öffentlichkeit informiert werden, damit sich Bürger gegen diese Veranstaltungen wehren können.

– wir wünschen uns, dass bei Veranstaltungen der NPD oder anderer Organisationen Personen des öffentlichen Lebens anwesend sind, um zu zeigen, dass die Aktivitäten wahrgenommen werden und dass wir widersprechen und diskutieren

Warum machen wir diese Ausstellung:
– wir gehen nicht davon aus, dass durch diese Ausstellung jemand zum Aussteigen gebracht wird
– wir wünschen uns aber, dass viele sensibilisiert werden und Anzeichen von rechtem Gedankengut besser erkennen können
– und wir wünschen uns, dass überall dort, wo sich rechtes Gedankengut zeigt, wir dem sofort und immer entgegentreten

Arthur Schopenhauer sagt:
„Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun,
sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“

Wir möchten noch auf  eine weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung hinweisen:

– Am Donnerstag den 11.10.2012 wird es hier in der Stadtbibliothek einen Vortrag von Nevfel Cumart einem türkischen Schriftsteller geben zum Thema: „Zu Hause in der Fremde – Lebensituatiuon der Ausländer in Deutschland. Cumart ist Lyriker und Übersetzer und er schafft es in seinen Veranstaltungen, Vorurteile und Klischees aufzubrechen.

Denn es ist auch wichtig für uns: ..wir wollen nicht nur auf die Gefahren des Rechtsradikalismus hinweisen, sondern mit dem Vortrag von Herrn Cumart auch Wege aufzeigen, wie wir uns eine tolerante, weltoffene und menschenfreundliche Gesellschaft vorstellen

Zum Schluss ein Gedicht von Nevfel Cumart

Seit ich denken kann
höre ich dieselben Slogans
– wir sind kein Einwanderungsland
– das Boot ist voll
– unsere Gesellschaft kippt
als ginge es um Giftstoffe,
die illegal in Flüsse eingeleitet werden

Seit ich denken kann
gibt es immer wieder neue Maßnahmen
– genereller Anwerbestop
– Rückkehrförderungsprogramm
– Green-Card-Regelung
– Visa Erlasse
und so weiter und so fort

Seit über 40 Jahren leben wir hier
und immer noch werden wir geduldet
Seit über 40 Jahren leben wir hier
und fragen zu Recht im Geiste Goethes
wann kommt die Toleranz – vorübergehend
wann kommt die Anerkennung – schließlich

jetzt hat Frau Dr. Zimmermann das Wort

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