Rede Mahnwache 26.09.2011 – Schimmer-Göresz

„Tschüss Atomkraft“

Wir unterstützen mit unserem Hiersein den weltweiten Aufruf der japanischen Anti-Atomkraftorganisation, gemeinsam gegen die Atomkraft zu demonstrieren.

Und das ist nicht nur gut so, sondern vor allem nach wie vor notwendig. Der Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung darf uns nicht in einer falschen Sicherheit wiegen. Das Thema ist noch lange nicht vom Tisch und hängt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen. Tschüss Atomkraft heißt in unserer Region, dass das gefährlichste Atomkraftwerk in Deutschland, die beiden Reaktorblöcke B + C in Gundremmingen noch bis 2017 bzw. 2021 laufen und täglich weitere 6 bzw. 10 Jahre langlebigen und gefährlichen Atommüll erzeugen. Selbst nach 2021 wird uns das „Tschüss Atomkraft“ nur schwer über die Lippen kommen. Castor für Castor füllt in Gundremmingen das größte oberirdische Atommülllager Deutschlands. Zwar kommt die Diskussion um einen geeigneten Endlagerstandort gerade wieder in Schwung. Ehrlich betrachtet, ist man kein Stück weiter. Man steht eigentlich am Anfang einer Diskussion, die sich nicht auf „vergraben/vergessen“ reduzieren lassen darf.

Die ÖDP hält alle erwogenen Endlager-Standorte für ungeeignet. Es gibt keine geologische Formation (weder Salzstöcke noch Granitgestein), die für 100.000 bis 1 Million Jahre sicher dicht bleibt. Die hohen Anforderungen an eine Endlagerstätte können weltweit nicht erfüllt werden. Wer „nur“ vergräbt und auf die Rückholbarkeit verzichtet, muss eine Havarie des Endlagers sehr langfristig ausschließen können. Eine nachträgliche Fehlerkorrektur ist ausgeschlossen.

Alles, was vergraben wird, verschwindet aus dem menschlichen Bewusstsein, holt aber zukünftige Generationen unausweichlich wieder ein – mit allen fatalen Folgen. Wir favorisieren und fordert deshalb den Bau von sabotagesicheren Zwischenlagern mit höchstem Sicherheitsstandard an den AKW-Standorten, gegen Terrorangriffe und Flugzeugabstürze geschützt. Künftige Generationen hätten dann den Zugriff auf den Atommüll und könnten sichere Schutzmaßnahmen gegen den hochgiftigen Müll anwenden, falls neue Technologie dies ermöglichen.

Die derzeitigen ungesicherten Zwischenlager an den drei bayerischen Atomkraftstandorten (Gundremmingen, Grafenrheinfeld und Ohu) müssen unverzüglich rückgebaut und durch die neuen Hochsicherheitszwischenlager ersetzt werden. Diese Standorte wären auch für die Bevölkerung an den Atomkraftwerksstandorten eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustand. Die neuen Hochsicherheitslager ersparen zudem gefährliche Atomtransporte quer durch das Land.

Solange es in Deutschland keinen kurzfristigen Atomausstieg gibt, kämpft die ÖDP gegen jeden „Endlagerstandort“, da ein Atommülllager mit der entsprechenden Kapazität erst die Voraussetzung für die jahrzehntelange Fortführung des Atomrisikos schafft. Die ÖDP Bayern fordert daher auch für die Hochsicherheitszwischenlager an den AKW-Standorten eine Größenbegrenzung. Sie dürfen nur so konzipiert sein, dass ihre Kapazität auf den Atommüll beschränkt ist, der unvermeidbar noch bis zum frühestmöglichen Atomausstieg im Jahr 2013 anfällt. Es ist unverantwortlich, noch bis zum Jahr 2021 zusätzlichen Atommüll zu produzieren.

Die derzeit praktizierte, unnötig lange Lagerung der extrem strahlenden Spaltelemente in den Abklingbecken der Atomkraftwerke muss auf die notwendige Abklingzeit beschränkt werden. Fukushima hat gezeigt, dass auch von dieser Lagerung eine große Gefahr ausgeht. Deshalb müssen  Spaltelemente so bald wie möglich in Castoren umgepackt und in die neuen Hochsicherheitszwischenlager verbracht werden.

Atommüll-Export ist unmoralisch!
Auch wenn wir in einem dicht besiedelten Land leben, müssen wir für den in deutschen Atomkraftwerken entstandenen Atommüll selbst die Verantwortung übernehmen und Lösungen finden. Eine „Verschiebung“ des Atommülls gegen Milliardenzahlungen – wohin auch immer – lehnt die ÖDP ab.

Energiewende und neuer Lebensstil!
Neben Energieeffizienz und Erneuerbare Energien brauchen wir als dritte Säule für eine nachhaltige Energiewende eine neue Bewertung der Begriffe „Wachstum“ und „Wohlstand“ und in der Folge einen neuen Lebensstil, getragen von sozialer und ökologischer Verantwortung.

Es kommt also mehr denn je auf jede und jeden Einzelnen von uns an. Energiesparen, Energie effizient nutzen, den Stromanbieter wechseln, so noch nicht geschehen und weiter auf die etablierte Politik einwirken, schneller als zuletzt beschlossen alle Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten.

Dann erst macht der Hinweis bei aktuellen japanischen Anti-Atom-Demonstrationen Sinn: Von Deutschland lernen, aber richtig!

Mahnwache 26.09.2011

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