Rede 15. Mahnwache am 26. September 2011. von Wolfgang Weiss

Rede 15. Mahnwache am 26. September 2011. von Wolfgang Weiss

Mein Name ist Wolfgang Weiss ich bin der GRÜNE Vertreter des Bündnisses für ein regeneratives Memmingen und gegen Atomkraft. Heiße Euch Willkommen an der Mahnwache zum 200ten Tage der atomaren Katastrophe von Fukushima, die unter dem japanischen Motto steht,  „Sayonara Nukes -Tschüss Atomkraft“

Will Euch heute an ein paar Begebenheiten erinnern, die sich innerhalb von 6 Monaten andauernde Katastrophe von Fukushima ereignet haben. Eine Geschichte des Verschweigens, Hinhalten von Fehlinformationen, Lügen und Betrug an den betroffenen Menschen. Werde mich aber nur auf einzelne Punkte Beschränken, also nicht alles ansprechen, das würde sonst den Rahmen sprengen.

Am 11. März um 14.46 Ortszeit werden die 6 Reaktoren in Fukushima durch ein Erdbeben und kurz darauf von einem Tsunami verwüstet. Durch das Beben bersten die Rohrleitungen der Kühlsysteme, dann überflutet der Tsunami mit einer 15m hohen Welle die 5m hohen Schutzmauern und setzten alles unter Wasser, die Notstromaggregate fallen aus. Die Reaktoren haben keine Kühlung mehr, drei Kernschmelzen setzen ein. 15 weitere AKWS werden ebenfalls beschädigt. Als Reaktion werden insgesamt 35 AKWs heruntergefahren und einer Überprüfung unterzogen. Zum heutigen Tag sind von  etwa 54 japanischen AKWs, die rund 30% der Energie des Landes erzeugten derzeit nur 11 am Netz.

Tags darauf bersten die ersten Reaktorhallen und ein 20km Radius muss evakuiert werden, 140.000 Menschen sind auf der Flucht vor radioaktiver Strahlung. Wohin die radioaktive Wolke aus Jod,
Cäsium, Strontium usw. sich überall niederschlägt wird nur sporadisch den Betroffenen bekannt.

Geeignete Messgeräte fehlen überall und es kann viel zu wenig gemessen werden. Wochen darauf als die Situation eskaliert und die Ausmaße nicht weiter verheimlicht werden können, wird vorsorglich ein zweiter freiwilliger Evakuierungsring von 30km errichtet, weitere 70.000 Menschen fliehen. Heute leben rund 90.000 in Notunterkünften, in die erweiterte Evakuierungszone sind inzwischen wieder 40.000 Menschen zurückgekehrt, weil sie keine andere Lebensmöglichkeiten zur Wahl haben.

Durch Notkühlungen gelangen unvorstellbare Mengen an verstrahltem Wasser ins Meer. Später werden riesige Tanks bereitgestellt um die Wassermassen aufzufangen, jetzt werden diese Wasser dekontaminiert. Die Lagerbecken mit den Strahlenelementen sind inzwischen auf ein erträgliches Maß heruntergekühlt. Aber wohin mit dem radioaktiven Müll? Niemand ist bislang an die Reaktoren herangekommen, niemand weiß wie die Situation der Kernschmelzen derzeit im Innern aussieht.

Wegen der zu erwartenden Strahlenbelastung wurde heimlich ohne die EU-Bürger zu informieren, in einer Eilverordnung die zulässigen Grenzwerte für Lebensmittel extrem erhöht. Es ist eine Verordnung die nach der Tschernobyl-Katastrophe geschaffen wurde um in einer Notsituation einen Lebensmittelnotstand  zu begegnen. Dieses kann die Kommission ohne parlamentarische Kontrolle tun. Für
Lebensmittel gelten ab da höhere radioaktive Grenzwerte, sodass selbst Tschernobyl und Japangrenzwerte niederer liegen, und diese Nahrungsmittel in die EU eingeführt werden können die dort wegen Strahlenbelastungen verboten sind. Frage, ist Japan als Nahrungsversorger für Europa überhaupt relevant, alle Fachleute sagen nein, die  Einfuhren liegen unter 1%.

Die Grenzwerte für Säuglingsnahrung werden um 8% erhöht, Milchprodukte um 66%, Sonstige Nahrungsmittel um 108%. Für Fischöle und Gewürze wurde der Grenzwert auf das 20-fache erhöht, was für ein Wahnsinn. Der Bürger soll doch geschützt werden und nicht durch erhöhte Strahlen belastet werden. Eine Absurdität hoch drei nur um gegenüber dem EU-Bürger sagen zu können, alles liegt unter den erlaubten Grenzwerten, es bestehe keine Gefahr. Nach starken Protestbewegungen wird diese Eilverordnung Wochen später wieder zurück genommen und dem japanischen Grenzwerten angeglichen, die Grenzwerte liegen jetzt bei 500 Becquerel pro Kilo.

Für Schulkinder in Japan wird der zulässige Grenzwert von 1 Millisievert um das 20-fache auf 20 Millisievert pro Jahr erhöht. Das entspricht dem Jahresgrenzwert der Mitarbeiter in kerntechnischen Anlagen. Für Arbeiter an den Unglücksreaktoren wird der Wert von 20 auf über 200 Millisievert erhöht. In den Urlaubswochen sind in den betroffenen Regionen die Böden von Kindergärten und Schulen abgetragen worden, sodass hier der Grenzwert wieder auf 1 Millisievert pro Jahr gesenkt wurde. Dosimeter sind an Schulkinder verteilt worden, als ob sie in einem AKW arbeiten würden.

Immer wieder kommt der Betreiber der 54 AKWs Tepco in Bedrängnis wegen seiner unzureichenden und wahrheitsvermeidenden Informationspolitik. Der Tepco-Chef ist  inzwischen zurück getreten, ebenso der japanische Ministerpräsident Kan, der als Blaumann-Präsident traurige Karriere machte. Als eine seiner letzten Amtshandlungen teilte er Ende August den über 80.000 noch evakuierten in den betroffenen Regionen mit, dass sie noch lange Zeit nicht in ihre Heimat zurück können.

Jetzt sollen die Böden der gesamten Evakuierungszone Fukushima und betroffen Gebiete darüber hinaus abgetragen werden, dies entspricht nach Ansicht von Experten etwa 1% der japanischen Fläche. Wohin die gewaltigen Mengen von verstrahlter abgetragener Erde hinsollen ist bislang noch ungeklärt. Zudem gibt es noch keine flächenmäßigen Messungen in den Evakuierungszonen.

Inzwischen wurden Strontium im Trinkwasser, belastete Gemüse, Reis und Meeresfrüchte zu Hauf gemeldet, auch weit außerhalb der Sperrbezirke und musste vernichtet werden. Verstrahltes Rindfleisch wurde zum größten Teil bereit verzehrt bevor dieser Skandal bekannt wurde. Selbst die berühmten Grünteefelder von Shizuoka die etwa 370km von Fukushima entfernt liegen sind teilweise deutlich über 500 Becquerel verstrahlt. Aber die größten Sorgen der Bevölkerung sind, auf lange Zeit
verstrahlte Nahrung zu sich nehmen zu müssen und nicht zu Wissen welche Folge-Krankheiten da- durch mit den Jahren kommen werden. Sind es Erbkrankheiten, Missbildungen, Krebs, Leukämie und sonstige Beeinträchtigungen? Wahrscheinlich wird Niemand den ursächlichen Beweis liefern können, dass dieser Unfall dafür verantwortlich ist, sodass hier keinerlei Entschädigungsleistungen geleistet werden, wie in der Vergangenheit regelmäßig von den Gerichten, bei ähnlichen Ereignissen 100-fach so entschieden wurde, denn krank werden kann man auch ohne Radioaktivität.  Zwar werden nach  positiven Messungen Erzeugergebiete gesperrt und der Handel von Produkten verboten aber niemand weiß wo noch außerhalb der Sperrgebiete die sogenannten verstrahlten Hot Spots liegen.

Hier möchte ich ein paar Worte von Albert Schweizer dem Urwaldarzt einfügen:

nur Menschen, die nie dabei waren,
wenn eine Missgeburt ins Dasein trat,
nie ihr Wimmern hörte, nie Zeugen
des Entsetzen der armen Eltern waren,
nur Menschen die kein Herz haben,
vermögen den Wahnsinn der Atomspaltung
zu befürworten,

Die anfangs noch für unsere Verhältnisse sehr zurückhaltende Japaner, begreifen zunehmend wie sie durch den Betreiber Tepco und Regierungsstellen bezüglich der realen Gefahren hintergangen werden und ausreichenden Entschädigungszahlungen kaum zu verwirklichen sind. Der Japanische Staat hatte in 2010 eine Staatsverschuldung von etwa 9,5 Billiarden Euro. Die Folgekosten in der Schadenszone, werden derzeit auf über 90 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht zwei Jahresumsätze von Tepco, eine risikogerechte Haftplicht mit entsprechenden Rückstellungen für Großunfälle war nicht vorgesehen, weil dieser theoretische Fall niemals eintreten würde, hier bei uns ist dieselbe Situation gegeben.

Was sagen denn die Forscher dazu, in einer Studie wird ermittelt, dass alle 10.000 Jahre ein ernstzunehmender Störfall eintritt pro AKW und dieses ist so unwahrscheinlich, dass nur eine hypothetische Gefahr besteht. Wenn man jetzt die rund 400 AKWs die derzeit laufen durch diese 10.000 Jahre teilt, ergibt sich die Zahl 25 Jahre und genau dieses ist die Realität heute und keine Hypothese. Tschernobyl 25 Jahre vergangen, Fukushima, Harrisburg, Majak und weiter sagen uns, wacht endlich auf, lasst Euch nicht weiter belügen, lasst uns eine ausreichende Haftpflicht fordern, lasst uns Sicherheiten und Pfandrechte einfordern, dass die Betreiber nicht Konkurs gehen können und der Gesellschaft die Kosten überlässt, lasst uns ausreiche Rückstellungen der Betreiber für ein Atommüll-Endlager fordern. Wie will denn z.B. RWE die 2022 über 8 stillgelegte AKWS verfügen wird, die Milliarden an Kapital
Aufbringen zum Rückbau der AKWs und dazu kommen poch die Kosten für die 1 Million Jahre
dauernde Endlagerung die derzeit noch ungelöst ist. Der Börsenwert von RWE steht derzeit bei 14 Milliarden Euro. 2008 stand er noch bei 55 Milliarden?

Die vier Atomstromkonzerne beginnen seit es etwas ruhiger geworden ist nun wieder Stimmung für sich zu machen. In den Medien wird jetzt verstärkt Panik gemacht im Winter werden die Lichter ausgehen und wir müssen nun erhebliche Mengen an Atomstrom vom Ausland beziehen. Nun hat der Bundesverband der deutschen Wasser- und Energiewirtschaft  die Zahlen für das Halbjahr 2011. veröffentlicht. Danach hat Deutschland 29 Milliarden Kilowattstunden ausgeführt und 25 Milliarden eingeführt, ergibt einen Überschuss von 4 Milliarden. Wie konnten nun die Unternehmen behaupten die Einfuhren wurden stark erhöht. Ein einfacher Trick, es wurden alle Einfuhren zusammen gezählt, auch die die nur durch Deutschland durchgeleitet wurden, nach Italien und anders wo. So haben die Konzerne nicht gelogen und dennoch nicht die Wahrheit gesagt. So werden also Stimmungen erzeugt und Bürger die nicht Nachrecherchieren hintergangen und die Erneuerbaren in Misskredit gebracht.

Nun ist zum Halbjahrestag der Japan-Katastrophen die Gegenwehr erheblich angestiegen. Die Regierung hat zwar inzwischen versprochen den weiteren Ausbau von AKWs auszusetzen und verstärkt auf Erneuerbare zu setzen aber nach so viel Versprechen, Lügen und mit den Verquickungen zur Atomindustrie fehlt hier der Glaube. In Tokio umstellten 2500 Bürger das Tepco-Verwaltungsgebäude am 11. September, am 19 September  wurde die Aktion „Sayonara Nukes“ gestartet, es waren 50.000 Bürger auf den Straßen in Tokio und tausende weitere in über 100 Städten. Das hat es noch niemals gegeben in Japan.

Jetzt wird die Aktion „Sayonara Nukes-Tschüss Goodbye Atomkraft“ fortgeführt die Japanischen Umweltverbände bitten um weltweite Unterstützung es sollen 10 Millionen Unterschriften gesammelt werden um die Regierung zu einem Atomausstiegsfahrplan zu bewegen und auf Erneuerbare zu setzen. Wir wollen ihnen dabei helfen!

Bitte kommt dann zum Tisch und Unterschreibt diese Petition, wir vom Bündnis haben Unterschriftenlisten ausgelegt.

Zum Schluss noch einmal die drei Kernbotschaften wie wir Bürger vom Atomstrom wegkommen:

–    Energie einsparen wo immer es geht,
vieles denkbare ist möglich.
–     Energie effizient nutzen,
sind wir kreativ im Handeln im Erfinden.
–     Erneuerbare Energien ausbauen,
viele Möglichkeiten sind ungenutzt.

Ich danke Euch für Eure Geduld und Aufmerksamkeit.

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