Worte zur Mahnwache 18.04.11

Rede:      zur 5.Mahnwache von Wolfgang Weiss

Hallo und eine besinnliche Mahnwache, Bürger der Stadt dieser  Region.
Mein Name ist Wolfgang Weiss bin Mitvertreter des  Bündnis-Mahnwache.  Möchte Euch am Anfang noch darauf hinweisen, dass wir Unterschriften ausgelegt haben. Bitte wendet Euch an die Helfer und Unterstützt diese Aktionen, vergesst auch nicht Euch in die  Mitfahrliste einzutragen für Ostermontag zur Groß-Demo nach Günzburg. Habe Euch letztes Mal die Geschichte von Sadako Sasaki, mit den Kranichen erzählt. Meine Frau und ich haben uns nun das Falten der Kraniche beigebracht und möchten zum Zeichen der Verbundenheit und Trauer mit den Opfern, wer eben will diese Kraniche überreichen.

Danken möchte ich ihnen für Ihr Kommen um gemeinsam der Opfer in Japan zu
Gedenken und als Mahnung an unsere Politiker die glaubten uns unbeschadet  ein solches Risiko aufbürden zu können.

Heute ist der 38 Tag von Fukushima, wo das Japanische Volk mit seiner Technik an der Natur kollidierte und in eine Katastrophe gestürzt ist. Fukushima ist ausgelöst  worden durch eine Naturkatastrophe, aber die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe sind geschuldet dem Irrglauben der Menschen mit ihrer Technik über der Natur zu stehen, ja sie zu beherrschen. Die Atomkatastrophe ist keine Naturkatastrophe sondern eine menschengemachte Technikkatastrophe, getragen von einer unglaublichen Gier nach mehr Gewinn, nach mehr Macht, nach mehr Energieabhängigkeit der Menschen.

Jetzt müssen  die Menschen erfahren wie schon zuvor in Tschernobyl und anderswo, was es heißt, mit den Auswirkungen des Restrisikos leben zu müssen, überleben mit einer schleichenden Gefahr, die der Mensch werden riechen noch schmecken, noch hören kann, die oft erst nach Jahren unerbittlich zuschlägt. Radioaktivität ist ein stiller Gegner, ein lautloser Killer der unsere Zellen mit Strahlen ständig bombardiert bis diese unter dieser Last zusammen brechen. Menschen sind Opfer eines Verbrechens der Gier, gegen die Menschheit, gegen die Natur, wegen menschenverachtender radioaktiver Strahlenfreisetzung und die für eine Million Jahre andauernde strahlende Giftigkeit des Müllanfalls, wo bislang niemand weiß wohin damit.

Zum wiederholten Male sind 10.000ende Menschen auf der Flucht, vertrieben von Haus und Heimat, ohne die Aussicht auf eine baldige Rückkehr. Und wieder werden die Menschen belogen und betrogen, es wird verharmlost und die Gefahren heruntergespielt. Die Produkte der Erzeuger, der Bauern dürfen nicht mehr verkauft werden. Wer wird ihnen den Schaden ersetzen? Auch in Japan wie bei uns sind die AKWs nur geringfügig Versichert, mit etwa 2 Milliarden, bei uns in Deutschland mit 2,5 Milliarden Euro für alle AKWs wie in den Medien zu lesen war.

Nun ist zu hören, dass Tepco der Japanische Betreiber der AKWs, mit Hilfe der
Regierung an mehrere 10.000end Haushalte bis zu 8500 Euro an Wiedergutmachung leisten möchte und das derzeit geprüft wird wann die Evakuierten in ihre Heimat zurückkehren können, sobald die Region gesäubert ist. Was heißt das!
Warum kann dann in Tschernobyl keine Rückbesiedelung stattfinden, wo allen Berechnungen nach in der Dauer weit mehr als in Tschernobyl an Radioaktivität frei wird.  Gleichzeitig wird dazu gesagt, dass es ohne eine Erhöhung über die Energiekosten nicht gehen wird. Mit dem Strompreis und mit Steuergeldern, es zahlt also wieder das Volk den Schaden soweit er überhaupt gutzumachen ist. Wie weit kommen die vertriebenen strahlenbelasteten Familien mit der genannten Summe? Wie lange werden Sie sich in Massenlagern aufhalten müssen, wo wird eine neue Heimat für die Menschen zur Verfügung gestellt? Nichts als leere Worte was bleiben wird.

Michael Gorbatschow hat einmal nach der Frage wie hoch denn die Kosten für
Russland wegen der Tschernobyl Katastrophe gewesen sind, geantwortet etwa 300 Milliarden Euro, und wenn man die Berichte aus der Ukraine über Tschernobyl, und deren Folgelasten liest, ist geschrieben, dass zurzeit jedes Jahr 5% des Jahreshaushaltes für die andauernden Lasten aus der Tschernobyl-Katastrohe geleistet werden müssen.

Frage an Euch:     Was glaubt ihr wie viel Schäden können davon beglichen,
wiedergut gemacht, wie viel Heimat ersetzt werden, und wie viel Leid, Elend und Krankheiten bis zum Tode sind dadurch gelindert. Was sind das für Politiker und Juristen, die Jeden von uns, im Volk zwingt, fast alles und Jedes zu versichern, aber Risiken von apokalyptischer Größe dem Volke aufbürdet und die Verursacher aus dieser Pflicht entlässt.

Wie kam es nun dazu:     Eine der Erläuterungen lautet wie folgt.
Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Nach den Schrecknissen und dem Einsatz und der Entwicklung der Atomforschung der Atombomben-Entwicklungen, war viel
radioaktiver Abfall vorhanden. Wohin damit, wohin mit diesen strahlenden Resten die viel Kapital auf eine unabsehbare Zeit verschlingen und keine Gewinne machen.
Also ersannen die Experten Möglichkeiten einer Nutzung dieser Hinterlassenschaften. Sie erfanden die friedliche Nutzung der Atomkraft und konnten mit dem Bau und Betrieb als Strommaschinen hohe Gewinne machen, aber dieses rechnet sich nur als billiges Angebot, wenn die Staaten mit viel Fördergelder und wenig Versicherungszwängen dieses gewährleisteten.

Nur so konnte es überhaupt  zu dieser Situation kommen, dass die Politik unter Druck der Energiewirtschaft, die die Atomenergie dann unbedingt durchsetzen wollte, unter Zuhilfenahme der Wissenschaft , die Gutachten erstellte und die von einer hypothetischen Größe eines Schadensereignisses alle 250.000 Jahre einmal sprachen und begutachtete, sodass das Bundes-Verfassungsgericht  am 8. August 1978 mit dem Kalkar-Urteil entschied, dass die Bevölkerung mit der Nutzung der Atomenergie ein „Restrisiko“ als sozialadäquate Last zu tragen habe und nur zu einem kleinen Teil die Verursacher.
Der Begriff „Restrisiko“ stellt eine subjektive Wertung dar, der ein statistisches und physikalisches Ereignis verharmlosend  in den Bereich des unmöglichen rückt, sowohl in der Wahrscheinlichkeit als auch in den Folgen. Dabei entsteht aber kein Rest sondern immer ein eindeutiges Risiko das die Bevölkerung zu tragen hat. Die Verursacher entziehen sich durch diese Definition des Restrisikos einer umfassenden Verantwortung. Anders gesagt  wer den Nutzen der Kernenergie hat, nimmt folglich auch das Risiko auf sich und das ist seit 1978. höchstrichterliches Faktum.
Es ist doch ein gewaltiger Unterschied ob die Wahrscheinlichkeit eines persönlichen Sturzes in einen gewissen Zeiteinheit prognostiziert, oder das Risiko, dass ein ganzes Land unbewohnbar gemacht wird mit den folgenden Leiden der Strahlenkrankheiten, dieses ist zu berücksichtigen welche Qualität das Restrisiko darstellt.

So da ich nun schon einige Jahre an Lebenszeit zurückblicke, habe ich erlebt wie viel große kerntechnischen Unfälle inzwischen schon passiert sind. Nach den Gutachten gerechnet müsste ich heute bereits über eine Million Jahre alt sein.

Hier möchte ich an einige Vorfälle erinnern:
1957. Majak Russland, der Kyschsty-Unfall, durch eine Panne Explodiert ein radioaktiver Behälter. Ein Gebiet von 20.000 km2 wird verseucht. Über 10.000 Menschen werden umgesiedelt, tausende bis heute andauernd verstrahlt.

1957. Windscale England das dann später in Sellafield umbenannt wurde. Da
brannte ein Reaktor vier Tage lang. Als Folge dürfen in einem Gebiet von 520 km2 keine Milcherzeugnisse mehr produziert werden. Dutzende Menschen starben dann in Folge an Krebsleiden, einige Gebiete sind bis heute unbewohnbar.

Kommen wir mal in ein uns bekanntes Gebiet unweit von uns. 1977. In Gundremmingen im Block A, kommt es durch Kurzschlüsse in den stromabführenden Leitungen die zu einer Schnellabschaltung führen. In Folge dessen kommt es zu Fehlschaltungen und danach zum Totalschaden des Reaktors. Nur mit Mühe gelingt es das Reaktorgebäude zu halten, aber als Folge mussten radioaktiver Dampf und Wasser in die Umgebung abgegeben werden.

Jahre später kommt es zu erhöhten Krebsraten bei Kindern. Als dessen Folge dann die Kinderkrebsstudie beginnend 2003 erstellt wurde. Ergebnis für ganz Deutschland, je näher ein Kleinkind an einem AKW wohnt umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kleinkind an Krebs, besonders an Leukämie erkrankt, insbesondere wenn es in einem 5-km Radius davon lebt.

Diese genannten Unfälle waren also schon vor dem Kalkar-Urteil bekannt und hatten dennoch bei der Urteilsfindung keine Berücksichtigung gefunden.

1979. Harrisburg USA im AKW beginnt eine partielle Kernschmelze, bedingt durch menschliches Versagen und durch technische Unzulänglichkeiten. Um eine
Katastrophe zu verhindern muss radioaktiver Dampf in die Umgebung  abgelassen werden. Folgen, 10.000ende mussten evakuiert werden und in den Folgejahren
waren zahlreiche Krankheitsfälle und Tote zu beklagen. Tausende Zivilklagen
wurden nieder geschlagen, weil Wissenschaftler hier Gutachteten es gäbe keine
Zusammenhänge mit dem AKW-Unfall.

Dann 1986. in einem AKW in Tschernobyl, explodiert durch menschliches und
technisches Versagen ein Reaktor. Mehrere 100.000 sogenannte Liquidatoren und Rettungskräfte waren im Einsatz. Tausende werden durch Strahlen krank und sterben. Eine 30 km-Schutzzone wird eingerichtet, 116.000 werden evakuiert, später müssen dann weiter 240.000 Menschen umgesiedelt werden. Nach wie vor sind die Krebserkrankungen und Missbildungen ungebrochen hoch. Auch heute bei uns sind im Südosten Bayerns, Wildtiere, Waldbeeren und Pilze hoch belastet und müssen vor dem Verzehr Untersucht werden.

Vor wenigen Monaten im Herbst 2010. am 28. Oktober hat die Regierung CDU-CSU, FDP unter dem Druck und mit Geheimabsprachen der  vier großen Energieunternehmen eine durchschnittliche Verlängerung der AKW-Laufzeiten von 12 Jahren  im Eilverfahren durchgesetzt. Fazits der Politiker, die AKWs sind sicher, würden sie es nicht sein, würden wir sie sofort abschalten. Alles andere ist Panikmache der Atomkraftgegner. Dieses nur zur Erinnerung.

Was dieses  Gefahrenpotenzial  so an Größenordnung bedeutet wird klar wenn man sich folgendes zu Gemüte führt. In einem jeden AKW wird pro Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung, die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das ist in einem AKW mit 1200 MW Leistung im Jahr in etwa eine Radioaktivität von circa 1200 Hiroshimabomben. Schauen wir wieder mal nach Gundremmingen, wo die größte AKW-Anlage in Deutschland steht. 2 X 1344 MW Leistung, dazu noch mit Plutonium Mischbrennstäben, da kann jetzt  jeder schnell Nachrechnen was für ein radioaktives Potenzial an Restrisiko hier steht.

In Fukushima sagt man sind etwa 1500 Brennstäbe vorhanden, Gundremmingen liegt da schon bei 4500 Brennstabelemente, dazu kommen derzeit 31 Castoren,
jeder Castor hat das radioaktive Potenzial von Tschernobyl, eine unglaubliche
Menge und wer prüft nun diese Anlagen, wie unabhängig ist diese Prüfinstanz, so ist die Antwort der TÜV und wenn man fragt wer ist der Eigentümer des TÜV, so konnte man in den Medien lesen, etwa 60% gehören den vier großen Energiekonzernen. So prüfen nun die Konzerne in Eigenregie sich selbst.

Am Ende meiner Ausführungen möchte ich Euch allen sagen, warten sie nicht bis die große Politik sich durchringt den Atomausstieg zu machen. Werden sie selbst aktiv, werden sie selbst zum Atomausstiegs-Beschleuniger, indem sie den Atomausstieg selber machen, wechseln sie zu einem regenerativen Stromanbieter, glauben sie nicht den Schutzlügen der Lobbyisten es würden die Lichter ausgehen, wir haben einen freien Europäischen Strommarkt, da gibt es genügend Anbieter und wenn mir jemand sagt, ich will keinen europäischen Atomstrom so sage ich ihm, der freie Markt kauft heute und hat gestern und wird morgen immer da den Strom kaufen wo er am billigsten angeboten wird, egal wie er erzeugt wird, fallen sie nicht auf diese Lügen herein, unterstützen sie die Erzeugung von regenerativen  atomfreien Strom gehen sie effizient mit den Energien um und versuchen sie eigene Wege zu finden.

Ich danke für Ihr Zuhören und bitte sie nun im Gedenken an die Opfer in Japan
einen Kreis des Schweigens zu bilden. Ich danke für Ihre Anteilnahme.

Dieser Beitrag wurde unter 4. Bündnisse, 4.2. Bündnis gegen Rechts veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.